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- 05.01.2026 - 13:54 

Neue Publikation Lehrstuhl Health Economics, Policy and Management

Kernaussage

Betriebliche Gesundheitsinterventionen (Occupational Health Interventions, OHIs) zeigen keinen messbaren Effekt auf die Reduktion von Krankheitstagen, weisen jedoch eine tendenziell positive wirtschaftliche Rendite auf. Insbesondere mentale Gesundheits- und Stressinterventionen sind mit einem positiven Return on Investment (ROI) assoziiert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ökonomische Vorteile vor allem durch verbesserte Produktivität trotz Anwesenheit (Präsentismus) und weniger durch reduzierte Abwesenheit (Absentismus) entstehen.

Hintergrund

Gesundheitsbedingte Produktivitätsverluste entstehen sowohl durch Absentismus als auch durch Präsentismus. Vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen, steigender psychischer Belastungen und veränderter Arbeitsbedingungen gewinnen OHIs an Bedeutung. Trotz breiter Anwendung von OHIs ist jedoch oft unklar, welche Interventionen wirksam und wirtschaftlich erfolgreich sind, da bestehende Reviews häufig methodisch heterogen sind oder nur eine begrenzte Anzahl an OHI Arten untersuchen.

Studie & Design

Die Studie ist eine systematische Literaturrecherche mit Meta-Analyse nach PRISMA-2020-Standard:

· Systematische Literaturrecherche (PubMed, Web of Science; 2004–2024)

· 68 eingeschlossene Studien aus OECD-Ländern, davon 23 in der Meta-Analyse

· Interventionen in drei Domänen: mentale Gesundheit, körperliche Gesundheit, Arbeitsklima

· Endpunkte: Krankheitstage und Return on Investment (ROI)

· Risiko-Bewertung mit Joanna Briggs Institute (JBI) Checklisten

· Random-Effects-Meta-Analysen und explorative Subgruppenanalysen

Ergebnisse

Die Meta-Analyse zeigte keinen signifikanten Effekt auf Krankheitstage (−0,18 Tage/Jahr; 95 % KI: −2,80 bis 2,43). Für den ROI ergab sich eine positive Tendenz (ROI = 1,92; 95 % KI: −0,34 bis 4,17), bei statistischer Unsicherheit. Mentale Gesundheits- und Stressinterventionen waren die einzige Interventionsgruppe mit einem signifikant positiven ROI.

Bedeutung für Praxis & Politik

Die Ergebnisse zeigen, dass Absentismus kein zwingender Erfolgsindikator für betriebliche Gesundheitsinterventionen ist. Präsentismus sollte systematisch berücksichtigt werden, da Produktivitätsgewinne während der Anwesenheit am Arbeitsplatz entstehen können. Zudem zeigt sich, dass mentale Gesundheits- und Stressinterventionen das höchste ökonomische Potenzial (gemessen anhand von ROI) aufweisen. Schließlich wird deutlich, dass der Erfolg von OHIs wesentlich von Organisationskultur, Führung, und der Umsetzung bestimmt wird.

Publikation

Titel: Occupational Health Interventions’ Impact on Absenteeism and Economic Returns: A Systematic Review and Meta-Analysis

Veröffentlicht in: Scandinavian Journal of Work, Environment & Health Die vollständige Studie können Sie hier lesen: https://doi.org/10.5271/sjweh.4265

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