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- 07.08.2026 - 09:00 

Das Gesundheitswesen braucht einen Paradigmenwechsel: Der neue CAS-HSG Value in Healthcare

Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und steigende Kosten setzen unser Gesundheitssystem zunehmend unter Druck. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, lanciert die School of Medicine der Universität St.Gallen den neuen Zertifikatskurs (CAS) «Value in Healthcare». Im Interview erklärt Professor Dr. Alexander Geissler, Programmleiter des CAS und Inhaber des Lehrstuhls Gesundheitsökonomie, -Politik und -Management, warum es jetzt ein Umdenken braucht und wie Fach- und Führungskräfte den Wandel hin zu einer wertbasierten Versorgung aktiv gestalten können.

 

Herr Professor Geissler, was hat Sie persönlich dazu bewogen, diese Weiterbildung zu lancieren?

Unser Gesundheitssystem steht aktuell unter massivem Druck. Wir sehen uns mit dem demografischen Wandel, einem akuten Fachkräftemangel, steigenden Kosten und gleichzeitig relevanter Qualitätsvariation konfrontiert. Oft erschweren veraltete Strukturen, fehlende und falsche Digitalisierung und überbordende Bürokratie eine zukunftsfähige Versorgung und begünstigen das Verharren in alten Denkmustern. Es ist höchste Zeit für einen Paradigmenwechsel hin zu einer patientenzentrierten, präventionsorientierten und wertbasierten Gesundheitsversorgung. Mit dieser Weiterbildung möchten wir Fach- und Führungskräfte dahingehend ausbilden, genau diese Transformation innerhalb ihres beruflichen Wirkungskreises voranzubringen.

 

Für wen ist das Programm besonders geeignet? 

Der Kurs richtet sich an ein breites Spektrum von Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen. Dazu gehören Ärztinnen und Ärzte mit Führungsverantwortung, Spital-, Klinik- und Praxismanagerinnen und -manager, Fachpersonen aus der Versicherungs- und Gesundheitswirtschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Pharma- und MedTech-Branche. Ebenso sprechen wir Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Verwaltung und Politik an. Im Zentrum stehen Spitäler, Rehabilitationskliniken, Pflegeheime, medizinische Versorgungszentren, Versicherungen und Gesundheitsverwaltungen – unabhängig davon, ob sie öffentlich oder privatwirtschaftlich organisiert sind.

Ausserdem ist der CAS interdisziplinär aufgebaut und auch für Quereinsteiger ins Gesundheitswesen attraktiv. Nicht zuletzt, deshalb sind wir davon überzeugt, dass Fach- und Führungskräfte, deren bisheriges Berufsleben vielleicht in einer anderen Industrie stattgefunden hat, die Diskussionen im Programm äusserst bereichern können. So erhoffen wir uns von diesen Teilnehmenden spannende Impulse und Perspektiven, die andere Teilnehmende als Profis im Gesundheitswesen erfahrungsbedingt nicht einnehmen würden.

 

Welche Kompetenzen erlangen die Teilnehmenden nach Abschluss des CAS konkret?

Die Absolventinnen und Absolventen werden befähigt, Konzepte der wertorientierten Gesundheitsversorgung tiefgreifend zu verstehen, bestehende Konzepte kritisch zu hinterfragen und Neues gezielt anzuwenden. Sie erlernen methodische Kompetenzen und konkrete Werkzeuge zur Wertzentrierung. Ein zentrales Element ist das integrierte Verständnis von «Value» im Gesundheitswesen – also die Voraussetzungen einer patientenzentrierten, ergebnisorientierten und wirtschaftlich tragfähigen Versorgung.

Als Prüfungsnachweis bearbeiten die Teilnehmenden ein eigenes Value-Projekt aus ihrer Organisation. Dadurch können sie die im Kurs gewonnenen Erkenntnisse direkt in ihre Praxis übertragen und in ihrer Institution nachhaltig verankern.

 

Warum ist diese Weiterbildung mit Blick auf das aktuelle Gesundheitssystem und seine Entwicklung gerade jetzt so relevant?

Im Schweizer Gesundheitswesen arbeiten viele Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger an der komplexen Schnittstelle von Medizin, Management, Ökonomie und Regulierung. Die Gestaltung eines wertzentrierten Systems, das den Nutzen für Patientinnen und Patienten, Leistungserbringer, Industrie und Kostenträger gleichermassen berücksichtigt, wird zunehmend kritischer für die Zukunftsfähigkeit. Wir müssen ungenutzte Potenziale ausloten – sei es bei der Verbesserung der Versorgungsqualität, der Einführung neuer Messsysteme, z.B. zum Monitoring von Qualität und Technologien, der Optimierung von Prozessen oder der Gestaltung von Finanzierungssystemen, die auf Patientennutzen und Outcome basieren. Wer diesen Wandel nicht aktiv mitgestaltet, wird von den Entwicklungen überholt werden.

 

Was unterscheidet dieses CAS von anderen Angeboten?

In vielen Weiterbildungen und in der Praxis werden gesundheitsökonomische Perspektiven oft nur als Rahmenbedingungen für Managemententscheide betrachtet. Das ist aus unserer Sicht zu kurz gedacht. Unser CAS geht einen entscheidenden Schritt weiter: Wir machen gesundheitsökonomisches Denken zum aktiven Gestaltungsinstrument – für Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Strukturen im Gesundheitssystem. Durch unsere Einbettung an der School of Medicine der Universität St. Gallen fliessen aktuelle Erkenntnisse aus Forschung, Beratung und Lehre direkt in den Kurs ein. Zudem zeichnet sich der CAS durch seinen kompakten, modularen Aufbau aus, der sich sehr gut mit der beruflichen Tätigkeit vereinbaren lässt, sowie durch eine renommierte Faculty aus Wissenschaft, Klinik und Management.

 

Was denken Sie, wo steht das Schweizer Gesundheitswesen in 10 Jahren?

In zehn Jahren wird das Schweizer Gesundheitswesen idealerweise deutlich vernetzter, digitaler und konsequent auf den Patientennutzen – den «Value» – ausgerichtet sein. Wenn ich diesen Gedanken weiterspinne und ich gehe von einer bestmöglichen Entwicklung in unserem Gesundheitswesen aus, dann werden wir wegkommen von einer reinen Volumenfinanzierung hin zu Vergütungsmodellen, die Qualität und Behandlungsergebnisse belohnen. Prävention und integrierte Versorgungsmodelle, die ein «aktives» anstatt nur «reaktives» Gesundheitssystem ermöglichen, werden eine viel zentralere Rolle spielen. Unser Ziel ist es, dass Akteurinnen und Akteure, die wir in unserem CAS ausbilden, diejenigen sein werden, die diesen Wandel erfolgreich umgesetzt und das System so gestaltet haben, dass es trotz demografischer Herausforderungen wirtschaftlich tragfähig und qualitativ hochstehend bleibt.

 

Weitere Informationen zum neuen CAS-HSG Value in Healthcare (Programmstart Februar 2027) finden Sie auf der Website der Executive School der Universität St. Gallen.

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