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- 24.08.2026 - 15:43 

Neue Publikation im Journal of Medical Systems

Kernaussage

Die Wahl des Krankenhausinformationssystem (KIS)-Anbieters ist assoziiert mit der digitalen Reife von Krankenhäusern. Insbesondere ein breites Modulangebot und ein hoher Integrationsgrad der KIS-Anbieter korrelieren mit höherer digitaler Reife.

 

Hintergrund

Krankenhäuser investieren weltweit erheblich in digitale Infrastruktur, um Effizienz, Sicherheit und Patientenorientierung zu verbessern. Krankenhausinformationssysteme (KIS) bilden dabei das digitale Rückgrat. Der KIS-Anbietermarkt ist jedoch fragmentiert und heterogen, was die Fähigkeit von Krankenhäusern zur digitalen Transformation potenziell beeinflusst. Der Lehrstuhl für Health Economics, Policy and Management der Universität St.Gallen untersucht, wie KIS-Anbietermerkmale mit der digitalen Reife deutscher Krankenhäuser zusammenhängen.

 

Methodik

Grundlage der Studie sind Daten von mehr als 1'600 Krankenhäusern (rund 90% aller deutschen Akutkrankenhäuser), die am bundesweiten DigitalRadar-Projekt teilnehmen (mehr Informationen hier). Der DigitalRadar-Score bewertet die digitale Reife jedes Krankenhauses auf einer Skala von 0 bis 100 anhand von 234 standardisierten Items. Für jeden KIS-Anbieter wurden vier Merkmale (Modulnutzung, Integrationsgrad, externe Anbietervariation und maximale abgedeckte Krankenhausgrösse) abgeleitet und mittels k-means-Clustering zu vier Anbietergruppen zusammengefasst. Multivariate lineare Regressionen, kontrolliert für Krankenhausmerkmale, quantifizierten die Zusammenhänge mit der digitalen Reife.

 

Ergebnisse

Zwei Merkmale erwiesen sich als entscheidend: KIS-Anbieter mit breiter Modulnutzung (β = 8,18, p < 0,01) und hohem Integrationsgrad (β = 12,68, p < 0,01) sind konsistent mit höherer digitaler Reife assoziiert. Externe Anbietervariation und maximale abgedeckte Krankenhausgrösse hingegen nicht. Die vier identifizierten Anbieter-Cluster unterscheiden sich entsprechend deutlich: Der durchschnittliche DigitalRadar-Score reicht von rund 41 Punkten im leistungsstärksten bis rund 22 Punkten im leistungsschwächsten Cluster. Die Wahl des KIS-Anbieters macht damit einen messbaren Unterschied für die digitale Reife von Krankenhäusern, wenngleich die querschnittlichen Daten Assoziationen und keine kausalen Effekte abbilden.

 

Bedeutung für Praxis & Politik

Krankenhäuser sollten die Wahl ihres KIS-Anbieters als strategische Entscheidung behandeln, bei der Modulnutzung, Interoperabilität und Offenheit gegenüber externen Systemen in der Beschaffung berücksichtigt werden. Ein vollständiger Systemwechsel ist jedoch, insbesondere für kleinere Häuser, häufig weder operativ noch finanziell realistisch. Für diese Krankenhäuser bieten sich alternative Hebel an, etwa Integrationsplattformen, FHIR-basierte Schnittstellen, die Aktivierung bereits verfügbarer, aber ungenutzter Module sowie der Ausbau der IT-Personalkapazität. Politische Entscheidungsträger können anbieterspezifische Unterschiede stärker beobachten und gezielte Anreize für den Übergang zu Anbietern mit höherer Modulnutzung und Integration setzen.     

 

Publikation

Titel: Does System Choice Matter? Influence of Hospital Information Systems on Digital Maturity

Autoren: Jonas Backes, Alexander Geissler, Jonas Subelack, und David Ehlig

Veröffentlicht in: Journal of Medical Systems

Die vollständige Studie können Sie hier lesen: HIER  

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