close

Krankheitskosten von HIV in der Schweiz

Projektbeschreibung

Fortschritte in der antiretroviralen Therapie (ART) haben HIV zu einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung mit nahezu normaler Lebenserwartung gemacht. Die Schweizer AIDS-Hilfe betont, dass Menschen mit HIV bei wirksamer Behandlung die gleiche Lebenserwartung haben wie Menschen ohne HIV und dass eine dauerhaft unterdrückte Viruslast HIV nicht übertragbar macht, im Einklang mit dem Prinzip „U=U“, was bedeutet, dass eine nicht nachweisbare Viruslast nicht zur HIV-Übertragung führen kann. Aufbauend auf der globalen Dynamik zur Beendigung von AIDS hat UNAIDS ambitionierte Ziele für 2030 festgelegt: 95 % der Menschen mit HIV sollen diagnostiziert sein, 95 % der Diagnostizierten sollen eine Behandlung erhalten und 95 % der Behandelten sollen eine virale Suppression erreichen. Ebenso hat der Schweizer Bundesrat eine nationale Strategie verabschiedet mit dem Ziel von null neuen HIV-Übertragungen bis 2030.

 

Zu Beginn des Jahres 2025 angekündigte Kürzungen der Finanzmittel haben das Bundesamt für Gesundheit jedoch gezwungen, mehrere Aktivitäten zurückzufahren, wodurch die Fortschritte auf dem Weg zu diesen Zielen gefährdet werden. Derzeit fehlt in der Schweiz eine aktuelle und umfassende Kostenanalyse zu HIV. Die jüngste detaillierte Schätzung, die auf Daten aus dem Jahr 1998 basiert, bezifferte die jährlichen gesellschaftlichen Kosten – einschließlich direkter medizinischer und indirekter Kosten – auf rund 443 Millionen CHF, wobei die Arzneimittelkosten den größten Anteil ausmachten. Diese Analyse ist jedoch mehr als zwei Jahrzehnte alt und entstand vor der Einführung vieler moderner Therapien und Versorgungspraktiken. Jüngere internationale Studien zeigen, dass jede neue HIV-Infektion erhebliche lebenslange Kosten verursacht, mit einem medianen Schätzwert von etwa 378.000 USD in einkommensstarken Ländern, und dass unzureichende Prävention zu hohen kumulativen Ausgaben führt. Es besteht daher ein klarer Bedarf an einer aktualisierten, schweizspezifischen ökonomischen Bewertung, um die zukünftige Ressourcenallokation im Bereich HIV zu informieren.

 

Dieses Projekt wird eine umfassende Krankheitskostenanalyse durchführen, um die wirtschaftliche Belastung durch HIV in der Schweiz zu quantifizieren, und dabei folgende Fragen adressieren:

  1. Welche aktuellen direkten und indirekten medizinischen Kosten verursacht HIV?
  2. Welche umfassendere gesellschaftliche Belastung geht mit HIV einher?
  3. Welche Kosten für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft entstehen durch jede vermeidbare neue HIV-Infektion?
  4. Wie ist der Fortschritt der Schweiz in Bezug auf die UNAIDS-Ziele?

 

Projektteam

Prof. Dr. Alexander Geissler, Dr. Irene Salvi, Enqi Fu

 

Kooperationspartner

 

Finanzierungsquelle

GILEAD Sciences Switzerland Sàrl 

 

 

Dauer

Oktober 2025 – Juni 2026

north