Die Gesundheitsausgaben in der Schweiz sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen und sollen sich gemäss Prognosen bis 2040 verdoppeln. Gleichzeitig stehen ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte unter wachsendem Druck, die Effizienz mit bestehenden Ressourcen zu steigern. Ein wesentlicher Treiber von Ineffizienzen in der Schweizer Grundversorgung ist der administrative Aufwand: Hausärztinnen und Hausärzte wenden einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit für die klinische Dokumentation auf. Dies reduziert die verfügbare Konsultationszeit, begünstigt Burnout und wird häufig als Grund für einen vorzeitigen Berufsausstieg genannt. Da ein grosser Teil der heutigen Hausärzte das Pensionsalter erreicht, dürfte sich der Druck auf die nachfolgende Generation, steigende Patientenzahlen effizient zu betreuen, weiter verschärfen.
Jüngste Fortschritte bei grossen Sprachmodellen bieten einen möglichen Lösungsansatz: KI-gestützte Medical Scribes («Ambient Scribes») können aus dem Gespräch zwischen Ärztin oder Arzt und Patientin oder Patient automatisch eine strukturierte klinische Dokumentation erstellen. Internationale randomisiert-kontrollierte Studien zeigen Verbesserungen bei der klinischen Produktivität und beim Wohlbefinden der Ärzteschaft. Die spezifische Abrechnungsstruktur, das regulatorische Umfeld und die Mehrsprachigkeit der Schweiz schränken die direkte Übertragbarkeit dieser internationalen Erkenntnisse jedoch ein. Evidenz zur Wirksamkeit von KI-Medical-Scribes in der Schweizer Grundversorgung fehlt bislang vollständig.
In Kooperation mit dem Lehrstuhl Gesundheitsökonomie, -Politik und Management der School of Medicine er Universität St.Gallen erarbeitet das vorliegende Projekt eine Machbarkeitsstudie sowie ein detailliertes Studienprotokoll zur Evaluation des breit eingesetzten Ambient Scribe des Schweizer Unternehmens Intonate. Die Lösung unterstützt sämtliche Landessprachen sowie Schweizerdeutsche Dialekte und ist in bestehende Praxisinformationssysteme integriert. Primäres Ziel ist die Entwicklung eines wissenschaftlichen Rahmens, um zu untersuchen, ob der Einsatz des Ambient Scribe mit einer Reduktion der administrativen Belastung sowie mit Verbesserungen bei Konsultationsvolumen und Mitarbeiterzufriedenheit einhergeht. Ergänzend wird untersucht, inwiefern sich dies auf die finanzielle Praxisleistung und weitere Effizienzkennzahlen auswirkt.
Das Projekt bildet zugleich die Vorbereitungsphase für ein nachfolgendes Innosuisse-Hauptgesuch mit dem Ziel einer vollumfänglich finanzierten Evaluation KI-gestützter klinischer Dokumentation in der Schweizer Grundversorgung.
Prof. Dr. Alexander Geissler, Dr. David Ehlig und Carla Walker
Intonate
Innosuisse (Innocheque)
Mai 2026 – November 2026